Im Rahmen der Verbreitungs- und Umsetzungsaktivitäten des Arbeitspakets 2 (WP2) des Projekts PIPE – Program of Inclusion for Migrant People at Risk of Social Exclusion organisierte die Hellenic Mediterranean University (HMU) einen Workshop für Fachkräfte und zwei Gesprächsrunden (Colloquial Talks). Die Veranstaltungen brachten Fachkräfte und Lehrende zusammen, die Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten durch soziale Dienste, gemeinschaftliche Initiativen und Sprachunterricht in Heraklion unterstützen.
Unter der Koordination von Mitgliedern des griechischen Teams am Laboratory of Applied Social Research and Social Work (SoRSoW) der HMU boten diese Treffen Gelegenheit, die Instrumente des WP2 kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und ihren Einsatz in der täglichen Praxis zu erörtern. Die Rückmeldungen verdeutlichten sowohl den Wert der Ressourcen als auch die organisatorischen Voraussetzungen für ihre wirksame Anwendung.
Zum Instrumentarium gehören der nationale Leitfaden und die Materialien für den Sprachunterricht, der Leitfaden und Aktionsplan für die interkulturelle Schulung von Fachkräften, das Diagnoseinstrument im Rahmen des strategischen Aufnahmeplans sowie die PIPE-Plattform.
Die Instrumente in der Praxis anwenden
Der Workshop für Fachkräfte fand am 2. Juni 2026 am Fachbereich Soziale Arbeit der HMU statt. Sieben Fachkräfte aus der Kommunalverwaltung und gemeinnützigen Organisationen nahmen teil und brachten Erfahrungen in der sozialen Unterstützung und im Griechischunterricht für erwachsene Migrantinnen und Migranten mit.
Der Workshop verfolgte einen partizipativen, erfahrungsorientierten Ansatz. In Gruppenaktivitäten entwarfen die Teilnehmenden kurze, auf die Bedürfnisse der Lernenden zugeschnittene Unterrichtseinheiten, entwickelten 90-Tage-Aktionspläne zur Stärkung interkultureller Kompetenzen in ihren Organisationen und nutzten das Diagnoseinstrument, um Bereiche mit weiterem Entwicklungsbedarf zu identifizieren.
In den Diskussionen wurde die Bedeutung differenzierten Unterrichts, vertrauensvoller Beziehungen, interkultureller Kommunikation und der Zusammenarbeit zwischen Organisationen hervorgehoben. Die Teilnehmenden benannten zudem Hindernisse für die Inklusion, darunter Personalmangel in den Diensten, eingeschränkten Zugang zu Dolmetschenden und interkulturellen Vermittlungskräften sowie fehlende flexible Sprachprogramme, die den beruflichen und familiären Verpflichtungen erwachsener Migrantinnen und Migranten Rechnung tragen.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden, die den abschließenden Evaluationsfragebogen ausgefüllt hatten, waren äußerst positiv. Das Diagnoseinstrument erhielt mit durchschnittlich 4,86 von 5 Punkten die höchste Bewertung. Besonders geschätzt wurden die praktischen Übungen und der Erfahrungsaustausch zwischen verschiedenen Berufsfeldern. Die Teilnehmenden bekundeten ihre Absicht, die Ressourcen in ihren Organisationen einzusetzen, und empfahlen weitere Übungsmöglichkeiten, zusätzliche Beispiele und kontinuierliche Unterstützung nach dem Workshop.
Nachhaltigkeit in den Sprachunterricht integrieren
Die erste Gesprächsrunde (Colloquial Talk) fand am 15. September 2026 online statt. Daran nahmen fünf Fachkräfte und Lehrende teil, die im Bildungsbereich und im Griechischunterricht für Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten tätig sind.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein in den Sprachunterricht integriert werden können. Die Teilnehmenden verknüpften Nachhaltigkeit mit Umweltschutz, verantwortungsvollem Ressourceneinsatz, Menschenrechten und den übergeordneten Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.
u den praktischen Vorschlägen gehörten der Einsatz leicht zugänglicher literarischer Texte und Filme, die Einführung von Wortschatz zu Ökologie und Umweltschutz sowie die Ermutigung der Lernenden, Wissen über umweltfreundliche Praktiken aus verschiedenen Kulturen auszutauschen. Die Teilnehmenden berichteten außerdem darüber, wie Erzählungen der Lernenden über Umweltverluste Raum für Dialog und emotionale Verbundenheit im Unterricht schaffen können.
Eine zentrale Schlussfolgerung lautete, dass Nachhaltigkeit in bestehende Unterrichtseinheiten integriert werden kann, ohne ein eigenständiges Fach einzuführen. Die Teilnehmenden beabsichtigten, weitere passende Aktivitäten in ihren Unterricht aufzunehmen, und begrüßten zusätzliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum Austausch über Umweltbildung.
Reflexion und berufliche Weiterentwicklung unterstützen
Auch die zweite Gesprächsrunde fand am 15. September 2026 online statt. Sie brachte fünf erfahrene Fachkräfte aus der Arbeit zur Inklusion von Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten zusammen: drei Sozialarbeitende, eine Person aus der Soziologie und eine interkulturelle Vermittlungskraft.
Die Teilnehmenden untersuchten, wie die WP2-Ressourcen ihre Arbeit unterstützen könnten, und schätzten insbesondere das Diagnoseinstrument als Möglichkeit, weiteren Lernbedarf zu erkennen und kritische Reflexion sowohl auf beruflicher als auch auf organisatorischer Ebene anzuregen. Sie betonten, dass interkulturelles Wissen durch kontinuierliches Lernen entsteht und Ressourcen mit Kolleginnen und Kollegen geteilt werden sollten.
Die Diskussion befasste sich auch mit Herausforderungen der täglichen Praxis, darunter berufliche Erschöpfung, Bürokratie, ungedeckte Bedürfnisse und begrenzte Zusammenarbeit zwischen Diensten. Die Teilnehmenden betonten die Notwendigkeit einer verlässlichen, kontinuierlichen fachlichen Supervision und einer besseren Koordination zwischen Organisationen. Obwohl der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen als stärkend und unterstützend anerkannt wurde, galt er nicht als ausreichender Ersatz für professionelle Supervision.
Die Teilnehmenden bekundeten ihre Absicht, das Diagnoseinstrument einzusetzen, und hoben die Bedeutung von Wissensaustausch, kollektivem Handeln und Interessenvertretung hervor. Das Treffen endete mit einem erneuerten Gefühl von Motivation, Hoffnung und gegenseitiger Unterstützung.
Den praktischen Nutzen von PIPE stärken
Bei allen drei Veranstaltungen erkannten die Teilnehmenden das Potenzial der Instrumente, berufliche Reflexion, Organisationsentwicklung und inklusive Bildungspraxis miteinander zu verbinden. Die Treffen zeigten zudem, wie wertvoll es ist, Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen, um gemeinsame Herausforderungen zu erörtern und praktische Antworten zu entwickeln.
Ihre Rückmeldungen liefern Anregungen zur Verbesserung und Verbreitung der WP2-Ressourcen, darunter mehr Beispiele aus dem Berufsalltag, zusätzliche erfahrungsorientierte Lernmöglichkeiten und fortlaufende Unterstützung bei der Umsetzung. Sie unterstreichen außerdem, wie wichtig ausreichende personelle Ressourcen, fachliche Supervision und die Zusammenarbeit zwischen Diensten sind, damit Fachkräfte die Instrumente wirksam einsetzen können.
Durch diese Aktivitäten stärkte die HMU den Dialog zwischen dem Projektteam und den Praktikerinnen und Praktikern und unterstützte damit das Ziel von PIPE, Ressourcen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Fachkräfte und der Gemeinschaften, mit denen sie arbeiten, entsprechen.

Alle WP2-Materialien sind kostenlos auf pipe-platform.eu verfügbar pipe-platform.eu





