Ein praxisnaher Workshop in Añaza macht aus unmittelbaren Nutzererfahrungen konkrete Empfehlungen für die abschließende Verbesserungsphase des Erasmus+-Projekts PIPE.
Ein digitaler Leitfaden beweist seinen Wert, wenn die Menschen, für die er entwickelt wurde, ihn selbst erproben können.
Genau das war das Ziel des Workshops zum PIPE-Migrationsleitfaden, der am 20. Oktober 2026 in Añaza auf Teneriffa stattfand. Zehn erwachsene Migrantinnen und Migranten erkundeten die App auf ihren eigenen Geräten, nutzten praxisbezogene Module, probierten interaktive Quizfragen und kleine Wortspiele aus und berichteten aus erster Hand, was ihnen hilft, was verwirrend ist und was noch verbessert werden muss.
Der Workshop wurde von der Universidad de La Laguna (ULL) und EVM Group in Zusammenarbeit mit der Fundación Canaria El Buen Samaritano im Rahmen des Arbeitspakets 4 des Erasmus+-Projekts PIPE gemeinsam organisiert. Die Teilnehmenden arbeiteten auf Spanisch, Englisch, Französisch und Arabisch. Auf eine angeleitete Einführung folgten eine selbstständige Erkundung der App, eine gemeinsame Reflexion und eine anonyme Befragung nach dem Workshop.
Hohe Akzeptanz und konstruktive Kritik
Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Sowohl die Verständlichkeit der Inhalte als auch deren Relevanz für die persönliche Situation bewerteten die Teilnehmenden mit 4,2 von 5 Punkten. Die Einführung durch die Moderation erhielt 4,8 von 5 Punkten, die Gesamtzufriedenheit mit dem Workshop lag bei 4,5 von 5 Punkten, und alle zehn Teilnehmenden gaben an, den PIPE-Migrationsleitfaden anderen Migrantinnen und Migranten empfehlen zu wollen. Gleichzeitig brachte der Workshop genau die kritischen Hinweise zutage, die Nutzertests aufdecken sollen. Mehrere Teilnehmende berichteten über eine langsame Reaktionsgeschwindigkeit und unterschiedliche Zuverlässigkeit je nach Sprache. Bei Französisch und Arabisch traten für einige Nutzende Schwierigkeiten auf; eine weitere Person stellte fest, dass sich die Sprachen während der Navigation vermischten.
„Es wäre gut, wenn wir die Inhalte in unseren Sprachen hören könnten; viele von uns kommen an, ohne lesen oder schreiben zu können.“
Barrierefreiheit als Voraussetzung für Inklusion
Der Wunsch nach Audio- und Vorlesefunktionen war eines der wichtigsten Ergebnisse des Workshops. Er macht deutlich, dass Barrierefreiheit eine Voraussetzung dafür ist, Menschen zu erreichen, die mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen, Unsicherheit beim Lesen oder ohne Kenntnisse der Sprache des Aufnahmelandes ankommen.
Lernen mit Wörtern aus dem Alltag
Die kleinen Wortspiele der App weckten Interesse an Begriffen aus der lokalen Kultur. Die Teilnehmenden hoben Wörter wie „verbena“, „doble beso“ und „gofio“ hervor. Dies zeigt, dass das Instrument sowohl als praktischer Wegweiser durch Dienstleistungen und Verfahren als auch als Einstieg in die Alltagssprache und die lokale Kultur dienen kann.
Die Teilnehmenden folgten der Vorführung und erkundeten die App anschließend auf ihren eigenen Smartphones.
Das Spiel weckte erfolgreich Neugier. Die Auswertung zeigte jedoch auch, dass sich der Übergang von der Neugier zum eigenständigen Wortschatzlernen verbessern lässt, beispielsweise durch sofort abrufbare Bedeutungen, Aussprachehilfen, Audio oder eine Funktion zum Speichern von Wörtern für später.
Direktes Nutzerfeedback für die abschließende Verbesserungsphase
Der Workshop auf Teneriffa ist Teil der abschließenden D 4.7-Testphase von PIPE. Die gesammelten Erkenntnisse fließen in den spanischen Länderbericht und die abschließenden Empfehlungen des Konsortiums ein. Besonderes Augenmerk gilt der Stabilität der mehrsprachigen Funktionen, der Leistung, der barrierefreien Audioausgabe und der Verbindung zwischen interaktiven Wortschatzaktivitäten und selbstständigem Lernen.
Der PIPE-Migrationsleitfaden bündelt praktische Informationen zu Gesundheitsversorgung, Wohnen, Beschäftigung, Sprache und Bildung, Rechten und Verfahren sowie zum Leben in der Gemeinschaft. Sein Ziel ist einfach, aber ehrgeizig: verlässliche Informationen genau dann leichter zugänglich zu machen, wenn neu angekommene Menschen sie am dringendsten benötigen.
Was uns der Workshop zeigt
1. Die Nutzenden schätzen die Inhalte und empfinden sie als relevant für ihren Alltag.
2. Eine gute Einführung hilft, die App selbstständig zu nutzen.
3. Technische Zuverlässigkeit in allen Sprachen ist unerlässlich.
4. Audio- und Vorlesefunktionen können die App für deutlich mehr Menschen zugänglich machen.
5. Tests mit echten Nutzenden machen ein digitales Produkt zu einem besseren Instrument für Inklusion.





